John Scalzi "Kollaps - Das Imperium der Ströme"

FISCHER Tor betritt das Feld der Space Opera

– mit John Scalzi's »Kollaps – Das Imperium der Ströme«.
Das Buch ist knapp 400 Seiten lang, eine angenehme Länge angesichts der dicken Brocken, die in letzter Zeit veröffentlicht wurden. Darüber habe ich mich an dieser Stelle ja schon einmal ein wenig mokiert. Mit dem vorliegenden Plot reiht sich John Scalzi in der viel zu langen Liste von Autoren ein, die sich an kollabierenden Imperien versucht haben – Angefangen bei Isaac Asimov's „Foundation“-Romanen.

Scalzi präsentiert eine Parabel über das Öl, unser aller Treibstoff, dessen Vorräte mit Sicherheit in den nächsten 50 bis 100 Jahren erschöpft sein werden und so möglicherweise zu einem Kollaps der westlichen Zivilisation führen könnte.

In »Kollaps – Das Imperium der Ströme« gibt es keine Technologie, um die riesigen Distanzen des Weltraums zu überbrücken. Das übernehmen „Ströme“, das Pendant zu unserem Treibstoff, welche die ganze Galaxis durchziehen. Raumschiffe tauchen an einem Ende ein, um Lichtjahre weiter weg innerhalb kürzester Zeit wieder aufzutauchen. Das ist aber auch der einzige metaphysische Kniff, den sich Scalzi erlaubt. Alles andere an Technologie klingt wunderbar realistisch.

Wie der Titel suggeriert, und damit spoilere ich nichts, fangen die Ströme an zu kollabieren. Das Imperium steht vor seinem Ende.

In diese Situation platziert Scalzi drei Hauptcharaktere: Eine junge Frau, die gerade zur Imperatorin gekürt worden ist (Imperatox in Scalzis Wortschatz. Tolles Wort!); eine gewiefte Händlerin, die fluchend jeden Gegner in Grund und Boden redet; und ein junger Wissenschaftler, der um den Kollaps weiß, und dessen Mission es ist diese Erkenntnis der Imperatox zu vermitteln. Mit den ersten beiden Charakteren präsentiert Scalzi zwei großartige junge Frauen. Beide sind stark, beide lassen sich nicht von den Gegebenheiten unterkriegen, beide kämpfen auf weise aber auch humorvolle Art. Dagegen wirkt die Person des geschilderten Wissenschaftlers ein wenig blass. Aber vielleicht sind das Wissenschaftler ja auch manchmal - da kann ich ein Lied von singen. Alle Hauptfiguren werden von manchmal prototypischen, manchmal strahlenden Figuren umgeben. Trotzdem unterscheiden sich alle und sind glaubwürdig.

Scalzis Sprache ist klar und fließend. »Kollaps – Das Imperium der Ströme« ist seit langer, langer Zeit ein Sci-Fi-Roman, den ich wirklich ganz gelesen, und nicht schon nach halber Lektüre weggelegt habe. Ein Grund dafür ist wohl auch, dass mir für den aufgeworfenen Konflikt auf Teufel komm raus wirklich keine Lösung einfallen wollte. Das einzige Manko ist – aber scheinbar ist das jetzt Mode und ich bin altmodisch – dass der Roman den Auftakt zu einer Romanreihe bildet. Vielleicht muss ich doch ein wenig moderner werden, denn ich will schon wissen, wie es weiter geht.

Fabian Tomaschek


Kollaps – Das Imperium der Ströme, Bd. 1
Autor : John Scalzi
Verlag : FISCHER Tor
Erscheinungsdatum : 5.10.2017
Preis : € 14,99

Gleich hier geht es zur LESEPROBE.

 


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