»Schuldig in 16 Fällen«

Kurzgeschichtensammlung von Arno Behrend

Eine Sammlung von Kurzgeschichten eines Autors, der seit zwanzig Jahren überall dort vertreten ist, wo man als Deutscher Science-Fiction-Kurzgeschichten veröffentlichen kann. Überraschend ist, wie viele Erstveröffentlichungen man in dem Buch findet, noch größer wird die Überraschung, weil gerade darunter ganz hervorragende Texte sind, die man vielleicht sogar als seine besten Arbeiten bezeichnen kann.

(Die eine oder andere davon hätte ich mir auch gut in EXODUS vorstellen können.) Beginnen wir also mit einem Streifzug durch die neuen Geschichten. Besonders spannend inszeniert ist »Der Klang der Posaunen«, in der um unsere Sonne herum eine Dysonsphäre gebaut wird. Lebensraum ohne Ende. Wie es aussieht, versuchen Außerirdische, unbedingt mit uns in Kontakt zu treten, um uns vor gewissen Gefahren dieses Projektes zu warnen. Aber werden die Signale richtig interpretiert? In der Story »Im Feuerkreis« wird eine Welt geschildert, in der es weder für Privatpersonen noch für Firmen Datensicherheit gibt. Jeder kann wirklich alles über jeden anderen erfahren und Privatsphäre hat aufgehört zu existieren. Dann gewinnt jemand in der staatlichen Lotterie eine für gewöhnlich unerschwingliche Firewall. Ein sehr interessantes Essay. In »Bubble-Gum-Express« tritt ein unbekannter Hacker an eine Netz-Designerin heran und behauptet, ihr kürzlich verstorbener Vater sei keineswegs bei einem Unfall ums Leben gekommen. In guter Thriller-Manier geht es spannend weiter.

Aber auch die Texte, die viele Kenner der Szene vielleicht schon einmal gelesen haben, lohnen einen zweiten Blick. Hier werden Schulkinder elektronisch unterrichtet, aber auch diese Technik ist leider nicht sicher vor Hackerangriffen. Und »Small Talk« ist vielleicht die charmanteste Alternativwelt-Geschichte, die ich kenne.

Der Titel der Sammlung lässt vermuten, dass sie ausschließlich Zukunftskrimis enthält. Dem ist nicht so, aber spannend oder interessant sind auch die reinen SF-Geschichten. Arno Behrend pflegt im allgemeinen einen gediegenen Schreibstil, was das Lesen angenehm macht. Die eine oder andere Geschichte krankt gelegentlich an ausufernden, pseudowissenschaftlichen Erklärungen, die aber seltsamerweise eher religiös anmuten; wenn z.B. die menschliche Seele mit isolierten Magnetfeldern erklärt wird, wie man sie auch im heißen Plasma der Sonne findet, und man deshalb jeden Meschen auf der Welt aufspüren und die Seelen wild untereinander austauschen kann. Unterm Strich tut es der Sammlung keinen Abbruch. (OKE)

Das Buch ist erschienen unter der ISBN 978 3 95765 007 8. Mehr Information un bestellen kann man gleich hier.

Übrigens stammt das Cover von Lothar Bauer.

gepostet (OKe) = Olaf Kemmler


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