Horst Pukallus – »Flüsterasphalt«

Sieben Geschichten

... darunter auch seine »Letzte Trendansage« aus EXODUS 26, allesamt aus dem neuen Jahrtausend, präsentiert mit einem Nachwort von Michael Iwoleit dieser dritte Storyband des Science-Fiction Urgesteins Horst Pukallus.

Thematisch reicht sein Spektrum von Near-Future-Sozialkritik bis zur psychologisch ausgereiften Space Opera.

Erwähnenswert auch das sehr schöne und psychedelisch aufgemachte (und bislang unveröffentlichte!) Covermotiv von Helmut Wenske. (EXODUS 26 - unsere »Wenske-Ausgabe« - ist i. Ü. weiterhin lieferbar!)

Erschienen ist die Story-Sammlung im Begedia-Verlag (ISBN 978-3-943795-82-0).

Kommentar zum Buch:

Der Sammelband »Flüsterasphalt« von Horst Pukallus ist eine Schatulle mit rotzfrechen Häppchen von Science Fiction Literatur. Ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten teilt der Autor mit manchmal derben Worten in viele Richtungen aus und trifft die Gesellschaft zielsicher dort, wo es weh tut. Gerade die Respektlosigkeit, der Verzicht auf die ach so moderne »political correctness« sorgt dafür, dass das Lesen Spaß macht.

In einer Geschichte schmachten sich eine religiös verblendete Frau und ein schräger Nerd, die Tür an Tür wohnen, heimlich an. Alles könnte so einfach sein, würden Menschen nicht dazu neigen, in abstrakten und künstlichen Begriffswelten zu leben, die ihr Handeln bestimmen. Die Begegnung der beiden kann dann auch kein gutes Ende nehmen.

In »Die Ära der brennenden Berge« nimmt sich Pukallus auf seine eigene Weise dem Endzeit-Thema an. Während die einen einfach nicht wahrhaben können, dass die bequeme Zivilisation für immer dahin ist, überlegen sich andere bereits, wie sie aus der neuen Situation ganz praktisch Profit schlagen können.

Den Exodus-Lesern bereits bekannt ist die Geschichte »Letzte Trendansage«, in der unsere politische Kaste bloßgestellt wird. Die ungeschminkte Wahrheit ist nicht gerade schön.

Eine sehr starke Story ist »Betender Lauch«, in der religiöse Dogmen bei der Besiedlung einer fernen Welt zu einem unvorhergesehenem Problem werden. Ein wenig wird der gute Eindruck nur dadurch getrübt, dass Pukallus, wie es in der Science Fiction leider nicht unüblich ist, mit vielen frei erfundenen technischen Begriffen um sich wirft, die in diesem Fall aber weder für die Atmosphäre noch für das Verständnis notwendig sind. Es verleiht der Geschichte parodistische Züge, die ihr nicht guttun.

Man kann wohl sagen, dass die Storysammlung in der Tradition der New Wave geschrieben ist, eine Bewegung Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger, die sich vorwiegend der Erforschung der Weiten der menschlichen Psyche sowie der Gesellschaft angenommen hatte. Passend dazu ziert das Buch eine bisher unveröffentlichte Illustration des Psychedelic-Künstlers Helmut Wenske, den Exodus-Lesern ebenfalls kein Unbekannter.

Olaf Kemmler

 


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