Genesis Reloaded

von Peter Schattschneier

Guten Tag. Sie sprechen mit Alice, dem Voice-Bot von Graf Alfred Merhan. Hinterlassen Sie bitte eine Nachricht. Wir melden uns.« --- »Hallo, Alice!  Hier spricht Wei Lin, die Liefersoftware von Cheap’nfaster Inc., Wuhan, China. Du hast ein Produkt mit der Katalognummer 271828-18284, das vor zwei Wochen an deine Adresse zugestellt wurde, noch nicht bezahlt. Es wäre nett, wenn du das in den nächsten Tagen erledigen könntest.«

Gondwana Skyway

Die Kiste fiel wie ein massiver Stein. Charlie sah noch, wie sie sich in der Luft überraschend drehte. Der beschädigte Würfel aus Plastikimitat rutschte in demselben Moment aus der Styroporbox heraus, als sich die darin verstauten Reagenzgläser davonmachten. Dass sie aus robustem Kalknatronglas bestanden, änderte nichts am vorhersehbaren Ergebnis. Die Kiste raste aus rund einhundert Metern Höhe im freien Fall der Meeresoberfläche entgegen. Ihr Inhalt – milchige Flüssigkeit, Staubproben sowie in Flüssigkeit gelöste Staubpartikel – würde binnen Sekunden hart aufschlagen und im Atlantik versinken.
      Was danach passierte, war Charlie ziemlich egal. Sein Bewusstsein schwand.

Der Garten

Owen verfluchte den bevorstehenden Tag, noch bevor er die Augen offen hatte. Zwei Minuten später war er unter der Dusche und zehn Minuten später zwängte er sich im dicken Thermoanzug und mit übergezogener Atemmaske durch die Tür nach draußen.
      Er fluchte abermals, weil ihm gestern der gewohnte Gratschtee ausgegangen war, der seinem Kreislauf normalerweise den allmorgendlichen Tritt verpasste, um den Tag überleben zu können. Owen fluchte ohne Pause weiter, er verfluchte den verdammten Planeten mit seiner ewigen Kälte, er verfluchte das seit Tagen herrschende Schneetreiben, das ihn mittlerweile knietief einsinken ließ, er verfluchte seine Eltern, die ihn ungefragt in diese Eiswelt geboren hatten, er verfluchte die ungenießbare Atmosphäre, er verfluchte das gesamte Kolonisierungsprojekt und all die Raumschiffe, die nie kamen, um sie wieder von hier wegzuholen, er verfluchte das Universum, das die Menschen nur hervorgebracht hatte, um sie terrorisieren zu können, und er verfluchte die Aliensteine und die Erleuchteten, die überhaupt schuld an allem waren.

Stulpa

Ort: Labor von Dr. Frank N. Stein, nachmittags. Neonröhren erhellen den Raum, eine flackert.
      Stein sitzt an seinem Arbeitsplatz vor einem eingeschalteten PC und starrt ins Leere. In einer Ecke sitzt sein Assistent Kerner in einem abgewetzten Sessel und liest in einem Buch.
Mit einem Ruck dreht sich Stein plötzlich zu seinem Assistenten um.
      »Kerner, was machen Sie da?«
      »Wie Sie unschwer erkennen können: ich lese.«
      »Ja, das sehe ich, ich bin ja nicht blind. Aber was lesen Sie da?«
      »Einen Roman.«
      »Einen Roman?«

Die Frau in der Wand

 
Das erste Mal sprach mich Lisa an, als ich Krebse zerquetschte.
      »Meinst du, das tut ihnen weh?« Ihre Stimme stand mitten im Raum, kühl und spröde.
      Ich sah zum Blocker an der Wand. Die Kontrolllampen des kleinen Kastens flackerten in einem beruhigenden Grün. »Scheiße …« Ich sah mich aufmerksam um. Alles schien stabil, ich konnte keine Schwachstelle in den Cancelling-Interferenzen des Blockers sehen. Die visuelle Abschirmung funktionierte. Aber wie war das Audiosignal durchgekommen?

Eine Serie der 47er-Auflage weist Herstellungsmängel auf. – Wir liefern Ersatz!

Seit Jahrzehnten sind es unsere Leser nicht anders gewohnt als ein hochwertig hergestelltes Magazin in Kunstdruck-Qualität zu beziehen. Denn gerade die besondere Haptik des Druckwerks zeichnet EXODUS seit jeher auch aus!
Leider haben uns inzwischen einige (absolut berechtigte) Reklamationen zur aktuellen Ausgabe 47 erreicht ...

HEUTE an Leser und Abonnenten verschickt: EXODUS 47

Liebe EXODUS-Freunnde!

Die aktuelle Ausgabe wurde heute, den 24. November 2023, an Leser und Abonnenten verschickt. Sämtliche Informationen zu EXODUS 47 finden Sie HIER.

Zudem haben wir die zuletzt vergriffene EXODUS 45 auf vielfachen Wunsch noch einmal in einer kleinen Auflage nachdrucken lassen.