Axel Kruse: »Geschichten eines Geistreisenden«

Axel Kruse: »Geschichten eines Geistreisenden oder Neues aus Joaquins Bar«

Joaquins Bar, das ist eine kleine, sehr versteckt gelegene Gaststätte im Herzen Essen-Kettwigs, in der Nähe der Kirche, die nur wenige Eingeweihte finden können. Zu später Stunde erzählen sich die Gäste manchmal wundersame Geschichten. An diesem Abend offenbart uns Thomas, dass er schon oft gestorben ist.

Im Alter von fünfzig Jahren ereilte ihn schon vor langer Zeit ein Herzinfarkt. Er stirbt, um dann als Kind in der elterlichen Wohnung wieder aufzuwachen. Und das ist ihm nicht nur einmal passiert. Ähnlich wie bei dem bekannten Film Und täglich grüßt das Murmeltier beginnt er wieder von vorn, aber das nicht nur für einen Tag, sondern für fast ein ganzes Leben.

Zunächst überlegt er, wie er aus der Situation Gewinn schlagen kann. Die Lottozahlen hat er sich leider nicht gemerkt. Aber all die großen Bestseller der Vergangenheit könnte doch nun er selbst schreiben und sie sogleich um deren Schwächen bereinigen. Das Vorhaben gelingt, er wird ein wohlhabender Mann ... doch ehe er sich’s versieht, ist er wieder Kind.

Alles auf Anfang. Zu seiner Überraschung hat sich die Welt diesmal auf eine phantastische Weise verändert. Er besucht tatsächlich das Adolf Hitler Gymnasium.

Von Zyklus zu Zyklus scheint die Welt immer ungewöhnlicher zu werden. Einmal reist er als Minenarbeiter zum Asteroidengürtel. Besonders aberwitzig und gut gelungen ist die Episode, in der die Deutschen Flüchtlinge sind und in Lagern ihr Dasein fristen müssen, weil ihre Heimat nach einer nuklearen Katastrophe unbewohnbar geworden ist. Ein schöner und bissiger Kommentar zum Zeitgeschehen.

Angereichert mit eigenen Erinnerungen, z.T. aus seiner Kindheit, entfalten die wundersamen Geschichten einen ganz besonderen Charme. Ein wenig schade ist lediglich, dass die umfangreichste Geschichte, die schon ein Kurzroman ist, den Leser absichtlich ohne ein Ende und somit unbefriedigt zurücklässt. Aber im Großen und Ganzen lohnt es sich, den Geistreisenden zu begleiten.

Axel Kruse: »Geschichten eines Geistreisenden« ist im Begedia Verlag unter der ISBN 978-3-95777-076-9 erschienen. Weitere Infos zum Buch gibt es gleich hier.

gepostet (OKe) = Olaf Kemmler

Axel Kruse war zuletzt mit seiner Erzählung »Doppeltes Spiel« in EXODUS 29 vertreten und wurde hierfür 2013 für den »Deutschen Science Fiction Preis« in der Rubrik »Beste deutschsprachige SF-Kurzgeschichte« nominiert. (Die Ausgabe ist lieferbar.)


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