Rainer Zubeil

(*18.12.1956 - †11.09.2004) - Rainer Zubeil wurde 1956 in einem kleinen Dorf bei Uelzen/Niedersachsen geboren, wuchs in Wuppertal auf. Nach der Schulausbildung schlug er eine Beamtenlaufbahn ein und war bis 1979 im öffentlichen Dienst tätig, bevor er sich als freier Schriftsteller selbständig machte. Seit 1981 lebte er in Köln.

Nach ersten Gedichten und SF-Stories in Fan-Magazinen war die Erzählung »Unter Tage«, 1976 unter dem Pseudonym Thomas Ziegler in der Anthologie »Zukunftsgeschichten?« des Weltkreis Verlags erschienen, seine erste professionelle Veröffentlichung. In rascher Folge erschienen weitere SF-Kurzgeschichten Zieglers (in Anthologien bei Damnitz und Schaffstein, in den SF-Reihen der Verlage Bastei, Goldmann und Heyne sowie in den SF-Magazinen »Comet«, »Science Fiction Times«, »Solaris« u. a.).

Diese Arbeiten zeichnen sich durch eine außergewöhnlich dichte Atmosphäre, einen ökonomischen Stil und beklemmenden Realismus aus und thematisieren die Desorientierung des Menschen in der heutigen Welt, den alltäglichen Einfluss von Staatssystemen, die auf ständiger Manipulation fußen und die geistige Vereinsamung von Individuen bewirken, die in ihnen nicht existieren können. Die Erzählung »Die sensitiven Jahre« wurde 1981 mit dem »Kurd Laßwitz-Preis« ausgezeichnet, einige weitere wurden auch in fremdsprachigen Übersetzungen international bekannt.

Zubeils erster Roman erschien 1977 unter dem Pseudonym Henry Quinn:»Eisvampire« (Dämonenkiller-Taschenbuch # 29, Pabel-Verlag) ist ein Horror-Roman, der die Konventionen dieses Genres hinter sich lässt und eine spannende, gegenüber der Macht von Konzernen nicht unkritische Handlung aufweist.

Wieder unter Thomas Ziegler entstand 1979 in Zusammenarbeit mit Uwe Anton der SF-Roman »Zeit der Stasis« (Heyne) über einen Super-GAU am Niederrhein, woraufhin ein neues faschistisches Regime die Macht in der Bundesrepublik übernimmt.

Als im Oktober 1979 die innovative SF-Serie »Die Terranauten« vom Bastei Verlag gestartet wurde, schrieb Rainer Zubeil die Exposes für die Heftromane und verfasste unter dem Pseudonym Robert Quint auch einen großen Teil der Romane selbst (30 von den 99 Titeln). Die Serie schaffte es in relativ kurzer Zeit, mit ihren neuen Ideen über den Kosmos der Treiber, Pflanzenintelligenzen, Bio-Welten, Lenker und Spektren die Leser zu faszinieren. Doch anscheinend war der Stammleserkreis zu klein. Mit Band 99 endete die Heftserie im Dezember 1981; in unregelmäßiger Folge erschienen dann noch »Terranauten«-Taschenbücher, drei Titel wurden von ›Robert Quint‹ geschrieben.

Danach wechselte Rainer Zubeil zur PERRY RHODAN-Serie, verfasste dort als Thomas Ziegler in der Zeit von März 1983 bis August 1985 13 Heft- und drei Taschenbuch-Romane für die Serie und entwickelte in Zusammenarbeit mit William Voltz die Expose-Gestaltung um die »Grauen Korridore«. Nach Willi Voltz´ Tod übernahm er zusammen mit Ernst Vlcek die Expose-Arbeit für die Serie zwischen Band 1200 und 1260. Er war rasch zu einem der beliebtesten Autoren des RHODAN-Teams geworden und galt als Hoffnungsträger der Serie, doch ein Zerwürfnis beendete abrupt seine Mitarbeit bei PERRY RHODAN.

Außerhalb seiner »SF-Serien«-Arbeit legte Rainer Zubeil in diesem Zeitraum bedeutende Einzelwerke vor, allesamt unter seinem Pseudonym Thomas Ziegler veröffentlicht. »Alles ist gut« (Corian Verlag, 1983) spielt in der Stadt Köln in naher Zukunft, die der Autor in düsteren Farben zeichnet. Obdachlose und Arme werden zu Opfern für Jäger, die die Organbanken der Privilegierten mit »Materialnachschub« versorgen.

In Köln ist auch ein weiterer Roman angesiedelt: »Die Stimmen der Nacht« (Ullstein Verlag, 1984; eine kürzere Fassung war ein Jahr zuvor bereits in der Anthologie »Phantastische Literatur 83« des Bastei Verlags erschienen und 1984 mit dem »Kurd Laßwitz-Preis« als »beste Erzählung« ausgezeichnet worden). Schauplatz ist eine Parallelwelt, in der die Alliierten den Morgenthau-Plan durchgesetzt und Deutschland in einen Agrarstaat verwandelt haben. In den Ruinen der Domstadt beginnen die Stimmen der alten Machthaber des Dritten Reiches zu sprechen.

Es folgten der Roman »Erdstadt« (Heyne Verlag, 1985), eine weitere Co-Produktion mit Uwe Anton, sowie die Kurzgeschichten-Sammlungen »Nur keine Angst vor der Zukunft« (1985) und »Lichtjahreweit« (1986, beide Ullstein Verlag). Die neunteilige Taschenbuch-Serie »Flaming Bess« (Bastei Verlag, 1986/87) von Thomas Ziegler markiert schließlich das vorläufige Ende seiner Arbeiten im SF-Bereich.

1987 verließ er in seinem Werk die Science Fiction und wandte sich dem Kriminalroman zu und veröffentlichte auch satirische Texte (»Bekenntnisse eines Öko-Terroristen«). 1988 erschien sein erster Krimi »Überdosis« im Bastei Verlag, gefolgt von »Koks und Karneval« (1990) und »Tod im Dom« (1991, beide Goldmann Verlag) sowie »Was geschah mit Angelika H.?« (1991) und »Eine Kölner Karriere« (1994, beide Bastei-Lübbe) neben Kriminalstories in Anthologien und einer Story-Collection (»Des Weibes schärfste Waffe«, Bastei 1990). In all diesen Krimis, in denen sich Ziegler ebenso wie in seinen Science Fiction-Romanen als niveauvoller Erzähler mit sehr viel Sinn für Lokalkolorit auszeichnete, steht meist sein von ihm erfundener Kommissar Markesch im Mittelpunkt.

Neben der schriftstellerischen Arbeit machte sich Rainer Zubeil/Thomas Ziegler auch als Übersetzer einen Namen. So übersetzte er Werke von Philip K. Dick, Michael Moorcock, Robert Silverberg u. a. sowie eine Reihe von STAR WARS-Romanen. Auch die Autobiographien der Popstars Michael Jackson, Frank Zappa und George Michael übertrug er ins Deutsche.

Als Thomas Ziegler arbeitete er auch fürs Fernsehen, u. a. als Dialogbuchautor für die ARD-Serie »Verbotene Liebe« und als Drehbuchautor für Fernsehserien (»Das Nest«).

Im Jahr 1991 erhielt er abermals den »Kurd Laßwitz-Preis« für die Novelle »Eine Kleinigkeit für uns Reinkarnauten« (erstmals in der Anthologie »Willkommen in der Wirklichkeit«, Heyne-Verlag, 1990). Und 1994 wurde Thomas Ziegler zum vierten Mal mit dem »Laßwitz-Preis« ausgezeichnet, nunmehr für die neu bearbeitete Fassung seines Romans von 1984 »Stimmen der Nacht« (Heyne Verlag, 1993).

Im letzten Jahr seines Lebens kehrte Thomas Ziegler zurück zur PERRY RHODAN-Serie. Im Juni 2004 erschien »Todesspiele«, dem – posthum – noch ein weiterer Heftroman folgte und ein PERRY RHODAN-Taschenbuch im Heyne Verlag.

Am Samstag, den 11. September 2004, verstarb Rainer Zubeil völlig unerwartet an einem Herzversagen.

»Doch sagt mir, wer denkt ans Sterben in diesen unruhigen Zeiten?«

Rainer Zubeil: Trojanisches Manifest, 1975

Heinz Wipperfürth

Bereits in dem Fanzine »Procon«, das als Vorläufer von EXODUS gelten kann, erschienen erste Texte von Rainer Zubeil, so 1973 die Stories »Du«, »Das Empfehlungsschreiben« und »Monster beissen nicht«.

In EXODUS sind folgende Kurzgeschichten des Autors erschienen:

  • •»Trojanisches Manifest« (Nullnummer/Sonderband, April 1975) - 1. Nachdruck im EXODUS/PHALANX-Sonderband (Juni 1977) - 2. Nachdruck als »Das Trojanische Manifest« in EXODUS 16 (Dez. 2004)
  • »Szenen aus einem gerechten Land« (EXODUS 2, Okt. 1975) - Nachdruck im EXODUS/PHALANX-Sonderband (Juni 1977)
  • »Die wundersame Reise durch die Zeit des Herrn Professor B. (EXODUS 3, Jan. 1976) - Nachdruck unter ›Thomas Ziegler‹ als »Des Herrn Professor B. wundersame Reise durch die Zeit« (EXODUS 15, Mai 2004)
  • »Blick in die Gegenwelt« (EXODUS 4; April 1976) - • als Thomas Ziegler: »Von problemlosen Zeiten« (EXODUS 10, April 1978)

Weiterhin veröffentlichte Rainer Zubeil in EXODUS die folgenden Gedichte unter Thomas Ziegler:

  • • »Gedanken eines Feiglings« (Nullnummer/Sonderband, April 1975), Nachdruck in EXODUS 16 (Dez. 2004)
  • • »Neues vom Verfassungsfeind in fünf Akkorden« (EXODUS 12, Juli 1979)
  • • »Ein Traum von Straßen, von möglichen Dingen« (EXODUS 13, Juni 1980)

Außerdem schrieb Rainer Zubeil in den frühen EXODUS-Ausgaben des Zeitraums 1976 bis 1979 Rezensionen zu diversen SF- und Phantastik-Titeln.


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