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Thomas Franke - wurde am 15. Mai 1954 in Köthen, im heutigen Sachsen-Anhalt, geboren. Er begann mit dem Studium der Physik, wechselte jedoch 1975 an die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle, um freie Malerei sowie die grafischen Techniken zu studieren, woran sich 1980 das Studium der darstellenden Kunst (Schauspiel) in Berlin und Moskau anschloss. Seine Arbeiten - ob als Zeichner oder im Theaterbereich als Schauspieler – haben eine außergewöhnliche Affinität mit phantastischer Literatur. Vor zehn Jahren fing er an, den Monolog »DAS MODELL«, ein Theaterstück für jeweils nur einen Zuschauer zu spielen, das er zusammen mit dem jungen Regisseur Reinar Ortmann nach H. P. Lovecrafts Erzählung »Pickmans Modell« erarbeitete. Die Inszenierung lief inzwischen mit mehr als 500 Aufführungen in Bonn, Köln und in vielen anderen Städten Deutschlands sehr erfolgreich, machte Franke in der Theaterszene sehr bekannt, weil mit diesem Stück zum ersten Mal die Frage beantwortet wurde, ob im Theater die Konstellation, dass ein Schauspieler für einen Zuschauer spielt, noch funktioniert. Im Jahr 2001 wurde »DAS MODELL« mit ihm verfilmt. 2000 erhielt Franke auf dem »International Fringe Festival« in New York den »Fringe Overall Award for the Best Male Performance« für einen anderen Monolog verliehen: »STÖRWERK – MONOLOG FÜR EINEN SHAKESPEAREKÖNIG UNTER EINER NEBENWIRKUNG«, von Martin Rubin geschrieben und inszeniert von Martin Schnick. Neben seinen Bühnenrollen, mit denen Franke sich einen exzellenten Ruf als Schauspieler erarbeitete, trat er auch in zahllosen Film- und Fernsehproduktionen auf; er spricht für verschiedene Radiosender Deutschlands in Hörspielen und Features und liest Hörbücher ein. Als Grafiker gestaltete er zwischen 1979 und 1983 die »Phantastische Bibliothek« des Suhrkamp Verlages mit Buch-Titelvignetten, wofür er 1980 und 1981 mit dem »Kurd-Laßwitz-Preis für phantastische Grafik« ausgezeichnet wurde. Nachdem er nach beinahe zwei Jahrzehnten wieder mit Buchgestaltungen begonnen hatte, wurde ihm der »Laßwitz-Preis« für das Jahr 2006 erneut zugesprochen, und zwar für die Gestaltung des Buchs »Der Zeiter« (Shayol Verlag) mit Erzählungen von Wolfgang Jeschke. Aber nicht nur die bildkünstlerische Arbeit für diese, sondern auch für viele andere Verlage der Welt, seine skurrile, manchmal krude Fantasie, in seltsamen grafischen Techniken erarbeitet, sicherten ihm über Jahrzehnte einen künstlerischen Ruf als schillernder Außenseiter und Kunst-Experimentator, dessen vielseitiges Oeuvre in aller Welt große Beachtung findet. »Ich sinne auf Rache«. Ein Selbstporträt des Thomas Franke »Am 15. Mai 1954 zwang mich ein namenlos gebliebener Gynäkologistiker mittels hinterhältiger Manipulationstechniken mit einer Geburtszangenmaschine in einem Köthener – heute wieder vorübergehend in Sachsen-Anhalt gelegen, damals im Bezirk Halle – staatlichen, da es zu DDR-Zeiten geschah, damals vermutlich schmutzigen, hinterwäldlerischen und unprofessionell verwalteten Krankenhaus, ganz offensichtlich gegen meinen Willen ins Leben; - an einem Samstag, zwanzig später verfluchte Minuten, bevor der darauffolgende Sonntag anbrach, wie mir meine Mutter berichtete. Ansonsten wäre ich in den Genuss der Segnungen gekommen, die einem Sonntagskind zustehen. Neun Monate später bemühte ich mich alsdann – eingedenk dieser äußerst ungünstigen Startbedingungen und der Schlechtigkeit der Welt, die ich wohl schon damals erkannt haben musste -, an offener Lungentuberkulose zu sterben, und damit meine Ruhe zu finden, was mir nicht gelang. Dafür rächte ich mich an meinem Weltendasein, indem ich eine ausgeprägte Affinität zu allem Fantastischen entwickelte und nacheinander zwei Disziplinen studierte, als deren Ergebnisse zwei, von der Warte gesellschaftlich-ökonomischer Notwendigkeiten aus betrachtet, völlig nutzlose Berufe stehen: Kunstmaler und Schauspieler, immerhin staatlich diplomiert. Da ich hieran nicht die alleinige, sondern viele Menschen Mitverantwortung tragen, sinne ich auf Rache, woran auch das anbiedernde und beschwichtigende Verhalten meiner Umwelt nichts ändert, die mir jeweils 1980 und 1981 für meine bildkünstlerische Gestaltung der »Phantastischen Bibliothek« des Suhrkamp Verlags den »Kurd-Laßwitz-Preis für phantastische Grafik« und im Jahr 2000 für das Bühnenstück »Störwerk – Monolog für einen Shakespearekönig unter einer Nebenwirkung« von Martin Rubin, das ich auf dem New York International Fringe Festival spielte, den »Overall Fringe Award for the Best Male Perfor-mance« anhängte. Aufs Äußerste verwundert war ich, als ich dann erfuhr, ich hätte den »Kurd-Laßwitz-Preis« für 2006 erneut zugesprochen bekommen, denn in den zwei Jahrzehnten, die ich mich nicht mehr mit der bildkünstlerischen Arbeit beschäftigt hatte, müssten doch junge Genies nachgekommen sein? Nach zwei kläglich gescheiterten Ehen entdeckte ich endlich das für mich äußerst angenehme Schlupfloch, dem Leben zu entfliehen, in ausschließlicher Arbeit: als Sprecher für verschie-dene Radiosender Deutschlands, als Schauspieler in Hörspielen, Hörbüchern, auf Bühnen, in Kino- und Fernsehfilmen, als Grafiker und Typograf für Buchgestaltungen … Ich liebe es, gespaltene Persönlichkeiten wie Richard III., Arturo Ui, die multiple Persönlich-keit Thurber/Pickman/Dr. Read/Joe Minot/Ruthworth aus Lovecrafts Erzählung »Pickmans Modell«, die ich in dem Theaterstück für jeweils nur einen Zuschauer mit dem Titel »Das Modell« gebe, oder James Maybrick alias Jack the Ripper zu spielen, und finde danach wieder zu mir, indem ich viel Bier trinke. Das muss man mir gestatten! Diesen Zustand, da er mich mit Zufriedenheit erfüllt, möge niemand knacken, keine Frau, nicht die Weltgeschehnisse und auch ich selbst nicht.« In sämtlichen EXODUS-Ausgaben von 1975 bis 1980 war Thomas Franke mit graphischen Arbeiten vertreten. Ab Juli 2003, dem Neustart des Magazins, präsentierte er in EXODUS folgende Grafikseiten: 14: »Teleport nach Tau Ceti IV (Cover) 14: »Camera Obscura« (S. 7) 14: »Bildnis des Albert Einstein« 1976 (S. 13) 14: »Landschaft mit Gravitationswind« 1976 (S. 21) 14: zu »Homunkuli« (S. 27) 14: »Fünfstein III« 1978 (S. 33) 14: »Atlantis« 1976 (S. 39) 14: »Symbiose« 1977 (Backcover) 15: »Nachdenken über die Computerwelt« (Cover) 15: »Interne Mitteilung zur Frage der Emotionen« (S. 8) 15: Motive aus »Computerstaat« (S. 13, 25, 31, 37, 43, 47) 15: »Die Evidenz des Samuel« (S. 19) 15: »Richtlinien zur Persönlichkeitsveränderung« (S. 49) 16: zwei Collagen, o. T. (Cover, Backcover) 16: »Lovecraft und Nachtwanderung« I/II (Galerie, S. 31, 34) 16: »Nachmieter« I/II (Galerie, S. 32, 33) 17: drei Collagen, o. T. (S. 18, 47, 48) 18: drei Collagen, o. T. (S. 19, 45, 46) 19: drei Collagen, o. T. (S. 14, 22, 62) 20: zwei Collagen, o. T. (S. 25, 56) 21: zwei Collagen, o. T. (S. 21, 46) 22: Collage zu »Im Albbyss, keine Zeit mehr« (S. 15) 22: Collage zu »Das Tier« (S. 69) 24: Collage zu Kurd Laßwitz, »Die neue Welt« (S. 65) Außerdem schrieb Thomas Franke für EXODUS einige Short-Stories: 5: »Teck oder Überlegungen zur Panik« (Aug. 1976) 6: »Skorpion« (Dez. 1976) 7: »Probleme der Transmittorik« (April 1977) 15: »Der Wald« und »Eine wahre Geschichte« (Mai 2005) 22: »Im Albbyss, keine Zeit mehr« und »Das Tier« (Dez. 2007) In den Jahren 1977/80 betreute er in den EXODUS-Ausgaben 8 bis 13 die Rubrik »Neues aus der DDR«. |
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